Philipp (Mitgründer) – bei seinen Eltern wohnen seit 14 Jahren Studierende
Philipp, Mitgründer von inGemeinschaft, interviewed seine Eltern Maria und Hans-Georg, welche in ihrem Kölner Einfamilienhaus seit 2010 Erasmus Studierende aufnehmen. Über die Jahre sind echte Freundschaften entstanden, bis nach Prag, Budapest und Neuseeland. Im Interview erzählen sie, wie alles begann, was sie über das Zusammenleben mit jungen Menschen gelernt haben und welche Tipps sie anderen Vermietern mitgeben.

Wie kam es dazu, dass ihr angefangen habt, Studenten bei euch aufzunehmen?
Wir begannen 2010, Studenten aufzunehmen, nachdem unser ältestes Kind auszog und uns auf die Idee brachte, doch Zimmer zu vermieten. Wir haben dann ein junges befreundetes Paar aus Neuseeland für ein paar Monate aufgenommen. Das war eine sehr tolle und bereichernde Erfahrung. Nachdem unsere Kinder nach und nach ausgezogen sind und wir sie finanziell unterstützen wollten, entschieden wir uns, die Zimmer unterzuvermieten. Über eine Plattform und Kontakte der Universität zu Köln haben wir angefangen.
Welche Erwartungen hattest du, als ihr das erste Mal Studenten aufgenommen habt?
Anfangs war ich unsicher, ob die Vermietung unsere Privatsphäre stören würde, da wir Küche und Wintergarten mit den Studenten teilten. Auch Fragen der Sicherheit spielten eine Rolle – ob sich Studenten an gewisse Regeln halten. Doch diese Bedenken sind schnell verflogen. Wir haben die Räume gut organisiert, die Studenten haben ihre eigenen Fächer in der Küche, und gemeinsame Mahlzeiten führten zu interessanten Gesprächen.
Wie hat sich euer Alltag verändert, seitdem ihr regelmäßig Studenten aufnehmt?
Unser Alltag hat sich durch die Vermietung an Studenten kaum verändert. Es entwickelten sich keine festen Routinen, aber die Begegnungen bereichern unser tägliches Leben und bringen Abwechslung in den Alltag.
Kannst du von besonders positiven Erfahrungen erzählen?
Es entstanden einige bleibende Kontakte. Einige Studenten haben uns auch wieder besucht, und wir haben sie in ihren Heimatländern – zum Beispiel in Prag – getroffen. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die Freundschaft zweier ungarischer Studenten, die sich bei uns kennengelernt haben und seither jedes Jahr zurückkehren. Solche Erlebnisse sind für uns eine große Bereicherung.
Welche Herausforderungen sind euch begegnet?
Die Organisation im Vorhinein ist öfter etwas mühsam – über die Uni bekommen wir schnell 30 bis 40 Bewerber. Hier zu filtern und die passenden Mitbewohner zu finden, braucht Zeit. Herausforderungen während der Untermiete traten vor allem bei sehr jungen, unerfahrenen Studenten auf. Einmal haben wir ein Mietverhältnis nach mehreren Gesprächen vorzeitig beendet. Auch kulturelle Unterschiede führten manchmal zu Kommunikationsthemen, aber am Ende war es nie eine wirklich große Sache.
Welche Vorteile siehst du im Zusammenleben mit den jungen Menschen?
Die Begegnungen mit Studenten aus aller Welt sind sehr bereichernd. Wir erfahren viel über andere Kulturen und Sprachen, auch ohne zu reisen. Für die Studenten ist es ein Vorteil, in einer deutschen Familie zu wohnen und ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Der Austausch über Politik, Geschichte und den Alltag ist für beide Seiten wertvoll. Es hält uns jung, immer wieder neue Perspektiven zu bekommen.
Welche Ratschläge würdest du anderen Vermietern geben?
Es ist wichtig, sich in den ersten Tagen Zeit zu nehmen und klare Regeln und Erwartungen an das Zusammenleben zu kommunizieren – Sauberkeit, Ruhezeiten, Besuche. Ein Rundgang durch die Umgebung und ein gemeinsames Essen helfen, das Eis zu brechen. Die Anpassung an junge Menschen ist eine Herausforderung, aber sie hält jung und macht Spaß. Wir haben auch ein Gästebuch, in das sich alle eingetragen haben – da schauen wir immer mal wieder gerne rein.
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test summaryDie Idee zu inGemeinschaft entstand aus dem echten Leben: Darius hat selbst jahrelang in einer Mehrgenerationen-WG gewohnt – bei Michael, der seit über 40 Jahren in seiner Berliner Wohnung lebt und sein zweites Zimmer an einen Studenten vermietet. Eine Geschichte darüber, wie aus einem freien Zimmer ein leises Miteinander zweier Generationen wurde.