Anne Hufnagel beim Create Festival

Veranstaltung
Zusammenfassung:
Anne Hufnagel beim Create Festival: unsere Co-Gründerin sprach mit Saine Cortez und Lilli Vogelsang über Einsamkeit als kollektive Herausforderung
Erkenntnisse des Gesprächs: Einsamkeit betrifft alle Generationen, digitale Nähe ersetzt keine menschliche Nähe, Verbundenheit braucht (physische) Räume
inGemeinschafts Ansatz vorgestellt: Mehrgenerationen-WGs in Großstädten, als soziale Infrastruktur gegen Einsamkeit
Einsamkeit zu überwinden ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit
Vergangene Woche war unsere Co-Gründerin Anne Hufnagel als Sprecherin beim Create Festival eingeladen. Gemeinsam mit Saina Cortez und Lilli Vogelsang sprach sie über ein Thema, das viele Menschen betrifft, jedoch zu selten in seiner Tragweite gesehen wird: Einsamkeit.
Jede der drei Frauen brachte dabei ihre eigene Perspektive auf das Thema ein. Es ging auch um die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Verbundenheit entsteht, sowie verloren geht. Der weitere Artikel geht tiefer ein in die vielen Anregungen, Erkenntnisse und Gedanken, die in diesem Gespräch zusammengetragen wurden.
Was Einsamkeit wirklich bedeutet
In Gemeinschaft zu leben ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Einsamkeit ist nicht einfach nur das Fehlen von Gesellschaft, sondern oft das Fehlen von echter Verbundenheit. Und die Folgen davon erleben in Deutschland leider viele Menschen am eigenen Leib. Einsamkeit wirkt sich nicht nur auf die psychische Gesundheit aus, sondern auch auf die körperliche. Sie belastet und verstärkt das Gefühl, ohne Richtung, Sinn oder Perspektive zu leben.
Einsamkeit als gesellschaftliches Phänomen, vor allem auch bei der Gen Z
Einsamkeit betrifft bei weitem nicht nur ältere Menschen oder soziale Randgruppen. Sie ist längst zu einem breiten gesellschaftlichen Phänomen geworden, auch bei jungen Menschen, unter anderem in der Gen Z. Dass ausgerechnet soziale Medien dabei ein Problemfaktor sind, wirkt zunächst widersprüchlich. Aber Kommunikation ist eben nicht gleich Kommunikation. Es macht einen Unterschied, ob man sich bei einen Austausch in die Augen schaut, oder nur einen schnellen Text wechselt. Digitale Nähe ersetzt keine menschliche Nähe.
Echte Verbundenheit braucht echte Räume
Ein wichtiger Aspekt betrifft die Art und Weise, wie wir miteinander sprechen. Hier brachte Lilli Vogelsang eine wertvolle Perspektive ein. Sie setzt sich mit ihrer Arbeit für die Lebensrealität junger Menschen ein und dafür, Räume zu schaffen, in denen die Gen Z sich gesehen und ernst genommen fühlen kann. Gerade in einer Zeit, in der vieles beschleunigt, vereinzelt und auf Oberfläche reduziert wird, ist diese Arbeit von großer Bedeutung. Gemeinschaft entsteht nunmal nicht allein dadurch, dass Menschen am selben Ort sind. Gemeinschaft entsteht durch das von einander lernen, einander zuzuhören, und der Bereitschaft eine echte Beziehung aufzubauen.
Zuhause ankommen: Wohnen und Gemeinschaft in München, Berlin und Köln
Zu einem Gemeinschaftsgefühl gehört auch, sich zu Hause zu fühlen. Denn ständig „auf dem Sprung" zu sein, erschwert sowohl die Bereitschaft als auch die Fähigkeit, langfristige Verbindungen einzugehen. Wer gerade erst in einer neuen Stadt ankommt – etwa in München, Berlin oder Köln –, erlebt oft beides gleichzeitig: Freiheit und Überforderung. Das Ankommen in einer neuen Umgebung, bedeutet nicht tausende Optionen offen zu haben, sondern sich geborgen und Sicher zu fühlen. Junge Menschen brauchen zwar Freiheit, aber gleichzeitig nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern einen Ort, an dem sie wirklich ankommen können. Ein warmes Zuhause.
Mehrgenerationen-WGs als Antwort auf Einsamkeit
Genau das erleben wir auch bei inGemeinschaft. Wir sehen, wie sehr junge Menschen es genießen, in Gemeinschaft zu leben, solange diese nicht als Zweckgemeinschaft, sondern als sozialer Raum verstanden wird. Unser Ansatz ist die Vermittlung von Mehrgenerationen-WGs. Was wir brauchen, sind echte Begegnungen: Bei einem Tee in der Küche, ein kurzer Austausch im Flur oder beim gemeinsamen Abendessen. Orte und Situationen also, in denen zwischenmenschliche face-to-face Verbindung erlebt wird.
Voneinander lernen: Generationenübergreifendes Wohnen als soziale Infrastruktur
Aber gute Kommunikation ist nichts Selbstverständliches. Wir müssen sie lernen, einüben und pflegen. Und von wem könnten wir das besser lernen als von Menschen, die darin bereits viel Erfahrung haben? Genau hier liegt auch das Potenzial generationenübergreifenden Zusammenlebens. Die Verbindung unterschiedlicher Perspektiven, der Austausch über neue und „alte" Kommunikationsweisen und das Lernen voneinander sind wertvolle Antworten auf ein Problem, das oft als individuelles Defizit wahrgenommen wird. Dabei ist Einsamkeit immer auch eine Frage der sozialen Infrastruktur: Wie leben wir? Wie wohnen wir?
Aufgrund des Vorangegangenen ist deutlich geworden, wie wichtig Formate wie das Panel beim Create Festival sind. Unser Dank gilt deshalb Saina Cortez und dem gesamten sheciety-Team für die Einladung und dafür, dem Thema Einsamkeit Raum, Aufmerksamkeit und Relevanz zu geben.


